Presseartikel

In Burgbrohl lernt Annemarie Schilz, wieder auf eigenen Beinen zu stehen
Brohltal-Klinik St. Josef: Nach einer Hüft-Operation ist Annemarie Schilz in der Burgbrohler Fachklinik für Geriatrische Rehabilitation, um hier wieder für die eigenen vier Wände fit gemacht zu werden

Burgbrohl. So häufig wie am heutigen Tag ist Annemarie Schilz schon lange nicht mehr fotografiert worden. "Hätte ich das gewußt, hätte ich eine Visagistin bestellt", scherzt die 78-Jährige, als wir sie in Zimmer 329 der Brohltal-Klinik St. Josef treffen. Nach einer Operation an der rechten Hüfte Anfang März ist sie seit einer Woche dort zur Rehabilitation. "Hier werde ich wieder fit gemacht, damit ich in meine eigenen vier Wände zurückkehren kann", sagt sie. Seit sie in der Burgbrohler Fachklinik für Geriatrische Rehabilitation ist, geht es ständig bergauf. Dafür muß die Rentnerin einen straffen Therapieplan absolvieren. Heute hat sie dabei Verstärkung an ihrer Seite, denn wir begleiten sie zu ihren verschiedenen Terminen.

Der Tag in der Brohltal-Klinik beginnt für Annemarie Schilz um 7.30 Uhr. Heute ist es Krankenschwester Elisabeth Rau, die sie sanft aus dem Schlaf holt. Zunächst wäscht sie die Beine der Patientin und bandagiert sie. An der linken Ferse hat Frau Schilz vom Liegen im Krankenhaus eine offene Stelle, die behandelt werden muß. Damit diese Wunde nicht ständig wieder aufgeht, trägt sie einen speziellen Schuh, der gut gepolstert ist. - "Jetzt aber raus aus dem Bett", sagt Elisabeth Rau und hilft der 78-Jährigen zum Waschbecken. Waschen kann sich Frau Schilz ja schließlich alleine.

Der Magen knurrt. Nun geht es zum Frühstück, wo Annemarie Schilz schon von ihren Tischnachbarinnen vermißt wird. "Jede hat hier ihren Stammplatz", sagt Klara Weiler, die heute entlassen wird. Viel Zeit zum Klönen haben die Damen aber nicht, denn ab neun Uhr stehen für die meisten erste Behandlungen an. Annemarie Schilz kann den Morgen zunächst jedoch etwas ruhiger angehen lassen. Eine Krankenschwester fährt sie zurück auf ihr Zimmer. Hier studiert sie ihren Wochenplan, auf dem genau notiert ist, wann welche Therapie ansteht.

Heute früh steht die Chefarzt-Visite auf dem Programm. Und Dr. Heinz L. Unger läßt auch nicht lange auf sich warten. Der Chefarzt ist mit den Fortschritten, die seine Patientin in der ersten Woche gemacht hat, recht zufrieden. Die geplante Reha-Dauer von drei Wochen möchte er gerne aufgrund von Vorerkrankungen der Patientin verlängern. "Drei Wochen werden angesichts der vorbestehenden funktionellen Einschränkungen nicht genügen, um die vereinbarten Therapie-Ziele zu erreichen", so Unger. Kaum ist die Visite vorbei, klopft es an der Tür. Diesmal ist es Physiotherapeutin Sabine Gesell, die die 78-Jährige zum Lauftraining abholt. Dieses wird auf einem speziellen Laufband absolviert, über dem ein Stahlgestell montiert ist. Sabine Gesell zieht der Patientin eine gepolsterte Weste an, die mit Gurten mit dem Stahlgestell verbunden ist. "Mit Hilfe eines pneumatischen Systems kann ich das Gewicht von Frau Schilz reduzieren und somit die Belastung an die jeweilige Therapiephase anpassen. Heute darf sie 80 Prozent belasten", erklärt die Physiotherapeutin.

"Ich fühle mich wie eine Fallschirmspringerin", bemerkt Annemarie Schilz, als sich das Laufband langsam in Bewegung setzt. Sabine Gesell kontrolliert kritisch jeden ihrer Schritte: "Achten Sie darauf, Ihr Knie nach vorne zu bewegen", "laufen Sie bitte breitbeiniger und setzen zuerst die Ferse auf". Nach zehn Minuten und 214 Metern schwinden die Kräfte und Frau Schilz wird zur nächsten Anwendung gefahren. Bei der braucht sie diesmal gar nicht selber aktiv zu werden. Bei der Elektromyostimulation werden über zwei Elektroden Impulse an die Oberschenkelmuskeln gegeben, so daß sie sich an- und entspannen. Eine halbe Stunde dauert diese Therapie, die die Muskeln kräftigt.

Das Schicksal hat es nicht immer gut mit Annemarie Schilz gemeint. Im Alter von 66 Jahren hatte sie einen schweren Schlaganfall. Die Auswirkungen sind auch heute noch deutlich zu sehen. Die rechte Seite ist kraftlos, Arm und Bein kann sie nur schwer bewegen. Trotzdem kam sie im Alltag gut zurecht. Sie hat gelernt, mit den körperlichen Einschränkungen zu leben. Ihr war es immer wichtig, selbständig zu bleiben. "Ich habe es nicht gerne, betüddelt zu werden", lächelt sie. So wohnt sie auch heute noch alleine in Koblenz. Seit 40 Jahren lebt sie hier - in der dritten Etage eines Hauses ohne Fahrstuhl. Vor der Hüft-OP konnte sie ihre Wohnung gar nicht mehr selbständig verlassen; mußte sie zum Arzt, wurde sie die Treppen heruntergetragen.

Kaum ist Frau Schilz wieder auf ihrem Zimmer, da kommt auch schon Ottilie Ackermann, die bei ihr eine Lymphdrainage machen wird. "Die sanfte Massage bekommt mir richtig gut", freut sich Annemarie Schilz. Zunächst wendet sich die Masseurin und Bademeisterin der Schulterpartie ihrer Patientin zu. Frau Schilz genießt sichtlich die Behandlung. Später nimmt sich Ottilie Ackermann die Narbe an der Hüfte vor. Durch die Lymphdrainage soll diese weicher werden. "Schlacke wird abtransportiert, die Durchblutung wird gesteigert und somit verläuft auch die Heilung schneller", erklärt die Therapeutin. Und das kann Annemarie Schilz nur bestätigen: "Die Schmerzen werden spürbar weniger".

Wer denkt, daß unsere Patientin nach dem Mittagessen erstmal ein Schläfchen halten kann, der irrt gewaltig. Denn kaum hat sie das Dessert gegessen, kommt auch schon Ergotherapeutin Alexandra Kaes. Mit ihr geht es in einen Therapieraum ins Erdgeschoß. "Wir trainieren jetzt das Stand- und Spielbein, üben das Aufstehen aus dem Sitzen, machen ein Gleichgewichtstraining und kräftigen die Muskulatur", erklärt uns die junge Ergotherapeutin. Das oberste Ziel dieser umfassenden Behandlung haben die beiden gemeinsam festgelegt: "Frau Schilz möchte unbedingt wieder besser laufen können, und dafür tun wir hier alles", lächelt Alexandra Kaes. Anstrengend findet Frau Schilz die heutige Einheit überhaupt nicht. "Das war super locker", lacht sie verschmitzt und läßt sich zurück auf ihr Zimmer bringen.

Ihr Therapieplan verrät ihr, daß sie jetzt ein paar Minuten Leerlauf hat. Erst um 15 Uhr steht der nächste Programmpunkt an: die Motorschiene. "Dabei wird mein rechtes Bein in ein Gerät geschnallt und bewegt", erklärt sie uns. Sie selber brauche dabei nichts zu tun. So wird ihre Beweglichkeit verbessert - und das, ohne selber ins Schwitzen zu kommen.
Annemarie Schilz fühlt sich in der Brohltal-Klinik St. Josef richtig wohl. "Die Behandlung ist unheimlich gut, die Leute sind nett", lobt sie. Und daß es hier so viele Geräte gibt, mit denen sie trainieren kann, hätte sie vorher auch nicht gedacht. Sie ist rundum zufrieden und blickt mit großer Hoffnung in die Zukunft. Daß sie wieder in ihre Wohnung kann und auf eigenen Beinen stehen und gehen kann - und das im wahrsten Sinne des Wortes.


Bildtexte von oben:

Bild1: "Krankenschwester Elisabeth Rau schaut Annemarie Schilz über die Schulter, als sie ihre Haare kämmt."

Bild 2: "Chefarzt Dr. Heinz L. Unger läßt sich von Frau Schilz genau berichten, wie es ihr geht."

Bild 3: "Wie eine Fallschirmspringerin fühlt sich Annemarie Schilz auf dem Laufband." Physiotherapeutin Sabine Gesell kontrolliert jeden ihrer Schritte.


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